Tiere in Mittelschulen

Animalfree Research führte eine Umfrage unter Biologielehrer:innen an Gymnasien und Kantonsschulen in der Schweiz durch, um zu ermitteln, wie verbreitet das Sezieren von Tieren im Biologieunterricht ist und inwieweit bereits tierfreie Methoden eingesetzt werden.

Umstrittene Praxis

Die Debatte über den Einsatz von Tieren im Unterricht ist ein umstrittenes Thema, das ethische, ökologische und psychologische Bedenken auslöst. Bislang konzentrierte sich dieser Dialog vor allem auf die universitäre Bildung. Dennoch werden Tiere nicht nur in der human- oder veterinärmedizinischen Ausbildung an Universitäten verwendet, sondern auch im Rahmen des allgemeinen Biologieunterrichts an Gymnasien. Es handelt sich um eine Tradition, die sich bis in die frühen 1900er Jahre zurückverfolgen lässt. Einige argumentieren, dass das Sezieren von Tieren ein wesentlicher Bestandteil eines umfassenden Biologielehrplans sei, der den Schüler:innen praktische Erfahrungen vermittelt. Es handelt sich jedoch um eine veraltete und grausame Praxis, die durch humanere Unterrichtsalternativen ersetzt werden sollte. Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass Videos, Computersimulationen, Modelle und andere alternative Methoden den Schüler:innen dieselben lehrreichen Erfahrungen vermitteln können wie das Sezieren von Tieren.

Studie unter Lehrpersonen an Schweizer Gymnasien

Animalfree Research führte eine Studie durch, um zum ersten Mal die Erfahrungen und Einstellungen von Schweizer Gymnasiallehrpersonen zur Verwendung von Tierpräparaten und zu tierfreien Alternativen zu untersuchen. Ziel der Studie war es, herauszufinden, inwieweit Tiere oder Tierteile im Biologieunterricht an Schweizer Gymnasien verwendet werden, ob die Lehrkräfte tierfreie Alternativen akzeptieren und nutzen und welche Einstellung die Lehrkräfte zum Sezieren und zu humanen Unterrichtsmethoden haben. Die Studie wurde in der Hoffnung durchgeführt, ein besseres Verständnis für die Hürden und Möglichkeiten des Übergangs zu einem humaneren Biologieunterricht zu erlangen. Faktoren wie die eigene Ausbildung einer Lehrperson, frühere Erfahrungen mit tierfreien Unterrichtsmethoden und schulische Richtlinien können bei der Entscheidung, ob Tierpräparate oder alternative Methoden gewählt werden, eine Rolle spielen.

Die Umfrage wurde 2019 als Pilotprojekt gestartet und 2021 in einer aktualisierten Form fortgesetzt. Insgesamt nahmen 76 Lehrkräfte an der Umfrage teil. Die Ergebnisse zeigen, dass die Lehrkräfte eine starke Haltung gegenüber Nutzen und Angemessenheit des Sezierens im Biologieunterricht haben. 97% der Befragten verwenden in ihrer Unterrichtspraxis nach wie vor Tiere oder Tierteile. Anhand der Umfrage konnten wir mehrere Hürden und Möglichkeiten für eine breitere Akzeptanz von tierfreien Alternativen in den Gymnasien ermitteln. Insbesondere ist es wichtig, das Bewusstsein für die verfügbaren tierfreien Methoden und ihre Wirksamkeit zu stärken. Die durch diese Umfrage gewonnenen Informationen sind entscheidend für die Gestaltung von Massnahmen, die humane Unterrichtsmethoden in der Sekundarstufe fördern können. Zudem bilden sie die Grundlage für zukünftige Bildungsaktivitäten von Animalfree Research.

Alternative Lehrmethoden

Alternative Lehrmethoden erzielen erwiesenermassen den gleichen oder einen besseren Lerneffekt als der Einsatz von Tieren. Lehrer:innen, die humane Methoden in ihrem Unterricht einsetzen möchten, finden bei InterNICHE eine Online-Datenbank sowie hier einige Beispiele:

Fotos und Videos

Fotos und Videos mit vorab aufgezeichneten Sektionen können eine Nahaufnahme und einen Einblick in die Verfahren bieten. Die Sektionen umfassen eine Vielzahl von Tieren, von gängigen Tieren wie Fröschen und Ratten bis hin zu eher ungewöhnlichen Tieren wie Regenwürmern.

Dreidimensionale Anatomiemodelle

Diese Modelle sind hochpräzise Nachbildungen von Tieren und werden entweder aus Kunststoff oder Ton hergestellt. Dreidimensionale Modelle sind in Lebensgrösse oder in vergrösserter Form erhältlich und bieten genaue Darstellungen verschiedener Lebewesen, einschliesslich Fröschen, Ratten und Schweinen. Die herausnehmbaren inneren Organe und Körperteile der Modelle sind einfach zu handhaben und können wiederholt verwendet werden.

Computerprogramme und virtuelles Sezieren

Bei der virtuellen Sektion handelt es sich um eine interaktive Computersimulation, die die innere Anatomie von Tieren nachbildet. Im Gegensatz zu statischen Bildern, Filmen oder Animationen ermöglichen diese Simulationen dem Benutzer die Interaktion mit dem Modell. Einige dieser Computerprogramme zeigen einen traditionellen Ansatz zur Anatomie, während andere einen detaillierten Blick auf spezifische physiologische Konzepte wie Muskel- und Nervenfunktionen bieten.

Publikationen

Zemanova M. A. (2022): Attitudes toward animal dissection and animal-free alternatives among high school biology teachers in Switzerland. Frontiers in Education 7: 892713.

Report: Zemanova M. A. and Frey S. (2022): A survey of biology teachers in Switzerland about their experiences and views on animal dissection and animal-free alternatives in education.

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