Der Gesetzesentwurf zur Förderung tierfreier Forschungsmethoden bleibt hinter den Erwartungen zurück

Die Stiftung Animalfree Research begrüsst die parlamentarische Initiative «21.426 Mehr Ressourcen und Anreize für die 3R-Forschung, um Alternativen zu Tierversuchen rascher voranzutreiben» von Nationalrätin Katja Christ ausdrücklich. Im Rahmen der Vernehmlassung zum von der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrats (WBK-N) vorgelegten Gesetzesentwurf nimmt Animalfree Research Stellung zu den vorgeschlagenen Änderungen. Zwar enthält der Entwurf einzelne positive Ansätze, insgesamt bleibt er jedoch deutlich hinter den Erwartungen und den Zielen der parlamentarischen Initiative zurück.

Parlamentarische Initiative fordert mehr Ressourcen und Anreize für tierfreie Forschung

Seit Jahren bewegen sich die Zahlen der in Tierversuchen eingesetzten Tiere konstant auf hohem Niveau zwischen 500’000 und 600’000 Tieren pro Jahr – trotz bestehender Förderinstrumente wie dem 3R-Kompetenzzentrum oder dem Nationalen Forschungsprogramm 79 «Advancing 3R». Ein wirksamer Rückgang ist bislang nicht erkennbar. Aus Sicht von Animalfree Research braucht es daher eine klare politische und wissenschaftliche Strategie, um den Übergang zu tierfreien Forschungsmodellen gezielt und verbindlich voranzutreiben.

Die parlamentarische Initiative von Katja Christ setzt genau hier an: Sie fordert bessere gesetzliche Rahmenbedingungen, mehr Ressourcen und stärkere Anreize für die Entwicklung und Anwendung von Alternativmethoden zu Tierversuchen. Dieses Anliegen entspricht nicht nur dem bestehenden gesetzlichen Auftrag, Tierversuche auf das unerlässliche Mass zu beschränken, sondern auch den wissenschaftlichen und ethischen Anforderungen einer modernen Forschung.

Ungenügender Gesetzesentwurf

Der vorliegende Gesetzesentwurf genügt diesen Ansprüchen allerdings noch nicht. Die vorgesehenen Anpassungen konkretisieren überwiegend bereits bestehende Förderpflichten, ohne substanzielle neue Massnahmen oder verbindliche Vorgaben zu schaffen. Zudem beruhen viele der vorgeschlagenen Instrumente auf Freiwilligkeit. Aus Sicht von Animalfree Research braucht es jedoch deutlich stärkere strukturelle und finanzielle Impulse, um tierfreie Innovationen wirksam zu fördern.

Notwendig wären unter anderem verbindliche Förderquoten für tierfreie Forschung bei öffentlichen Forschungsgeldern, eine deutliche Erhöhung der finanziellen Mittel für die Entwicklung und Validierung tierfreier Methoden sowie gezielte Begleitmassnahmen zur besseren Sichtbarkeit, Anerkennung und regulatorischen Akzeptanz solcher Technologien in Wissenschaft und Industrie. Die Möglichkeiten reichen von modernen Zell- und Gewebemodellen über Organ-on-Chip-Systeme bis hin zu computergestützten Simulationsmethoden und KI-basierten Ansätzen.

Der Ersatz von Tierversuchen muss im Fokus stehen

Animalfree Research ist überzeugt, dass die Schweiz das Potenzial hat, international eine führende Rolle im Bereich tierfreier Innovation einzunehmen. Dafür braucht es jedoch einen klaren Fokus auf das erste «R» der 3R-Prinzipien – «Replace» –, also den konsequenten Ersatz von Tierversuchen durch wissenschaftlich hochwertige Alternativen.

Kritisch beurteilt Animalfree Research zudem, dass bei der Ausarbeitung des Gesetzesentwurfs Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie und Forschung angehört wurden, Organisationen mit ausgewiesener Expertise im Bereich Tierschutz und tierfreie Forschung hingegen nicht einbezogen wurden. Für eine glaubwürdige und zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Gesetzgebung ist ein breiter und ausgewogener Dialog jedoch unerlässlich.

Unterstützen Sie den Ersatz von Tierversuchen

Mit ihrer Spende helfen sie mit, Forschungsmethoden zu entwickeln und zum Einsatz zu bringen, die auf den Einsatz von Tieren vollständig verzichten.