Weniger Tiere, mehr Leid: Warum die Tierversuchsstatistik 2025 aufhorchen lässt
2025 wurden in der Schweiz so wenige Tiere für Tierversuche eingesetzt wie nie zuvor. Doch ein genauer Blick auf die aktuelle Tierversuchsstatistik des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) zeigt eine beunruhigende Entwicklung: Die Zahl der Tiere, die den schwersten Belastungen ausgesetzt waren, ist erneut gestiegen. 507’863 Tiere wurden 2025 in der Schweiz in Tierversuchen eingesetzt. Das sind rund 14’800 Tiere weniger als im Vorjahr und entspricht einem Rückgang von knapp 3 Prozent. Damit liegt die Gesamtzahl auf dem tiefsten Stand seit Beginn der schweizerischen Tierversuchsstatistik im Jahr 1983. Doch die Gesamtzahl allein erzählt nicht die ganze Geschichte.
Mehr Tiere im höchsten Schweregrad
Besonders kritisch ist die Entwicklung bei den schwersten Tierversuchen. 2025 wurden 29’413 Tiere im Schweregrad 3 eingesetzt, das sind 2’033 mehr als im Vorjahr und entspricht einer Zunahme von 7,4 Prozent. Gleichzeitig ist es der höchste Wert seit 26 Jahren. Schweregrad 3 steht für die schwerste Belastung, die ein Tier im Rahmen eines bewilligten Versuchs erfahren darf.
Die Statistik zeigt damit ein ambivalentes Bild: Insgesamt werden weniger Tiere eingesetzt. Gleichzeitig steigt die Zahl der Tiere in den schwersten Versuchen. Zwar ging die Summe der Tiere in den Schweregraden 2 und 3 gegenüber 2024 um 8’457 zurück. Dafür war jedoch vor allem der Rückgang im Schweregrad 2 verantwortlich. Im Schweregrad 3 setzte sich der Anstieg dagegen fort. Es ist deshalb entscheidend, nicht nur auf die Gesamtzahl zu schauen. Weniger Tiere bedeuten nicht automatisch weniger schweres Tierleid.
Drei Viertel der Tiere für die Erforschung menschlicher Krankheiten
Rund 73 Prozent aller Versuchstiere, etwa 370’000 Tiere, wurden 2025 für die Erforschung von Krankheiten beim Menschen eingesetzt. Besonders viele Tierversuche fanden für die Krebsforschung sowie für die Erforschung neurologischer und psychischer Erkrankungen statt. Zusammen machten diese beiden Forschungsbereiche etwa ein Drittel aller Tierversuche aus.
Gerade hier braucht es deshalb einen stärkeren Fokus auf moderne, tierfreie Forschungsmethoden. Denn wissenschaftlicher Fortschritt und Tierschutz sollten kein Gegensatz sein: Je besser menschliche Krankheiten mit menschlichen Modellen erforscht werden können, desto weniger Tiere müssen dafür eingesetzt werden.
Gentechnisch veränderte Tiere besonders häufig bei belastenden Versuchen
Auch der Einsatz gentechnisch veränderter Tiere bleibt hoch. 2025 wurden rund 170’000 gentechnisch veränderte Tiere in Tierversuchen eingesetzt, das sind etwa 5’000 mehr als im Vorjahr. Besonders auffällig ist ihr Anteil bei den belastenden Versuchen: In den Schweregraden 2 und 3 waren rund 45 Prozent der eingesetzten Tiere gentechnisch verändert. Seit 2013 hat sich die Zahl der gentechnisch veränderten Tiere in diesen beiden Schweregraden mehr als verdoppelt. Das BLV weist darauf hin, dass die Zunahme gentechnisch veränderter Tiere zeitlich mit dem Anstieg der Tiereinsätze in den Schweregraden 2 und 3 einhergeht. Einen direkten kausalen Zusammenhang lässt die Statistik allerdings nicht zu.
Nicht alle Tiere werden in Versuchen eingesetzt
Ein weiterer wichtiger Aspekt zeigt sich beim Blick auf die Versuchstierhaltungen: 2025 wurden in der Schweiz rund 843’000 Tiere gezüchtet und etwa 187’000 Tiere importiert. Die Zahl der gezüchteten Tiere ist seit 2021 um rund 20 Prozent zurückgegangen. Doch nur etwa die Hälfte dieser Tiere wurde tatsächlich in einem Tierversuch eingesetzt. Das BLV hält ausdrücklich fest, dass beispielsweise bei der Zucht gentechnisch veränderter Linien Tiere entstehen können, die nicht die für den jeweiligen Versuch erforderlichen genetischen Eigenschaften besitzen. Solche Tiere kommen nicht zum Einsatz und werden abgegeben oder getötet. Die Zahl von 507’863 eingesetzten Versuchstieren bildet deshalb nicht das gesamte Ausmass der Tiernutzung in der Forschung ab.
Moderne Forschung ohne Tierleid vorantreiben
Die Tierversuchsstatistik 2025 zeigt: Es gibt Fortschritte, doch der Wandel geht nicht schnell genug. Zwar ist die Gesamtzahl der eingesetzten Tiere so niedrig wie nie zuvor. Gleichzeitig erreicht die Zahl der Tiere im höchsten Schweregrad einen neuen Höchststand.
Animalfree Research setzt sich deshalb für eine Forschung ein, die wissenschaftlichen Fortschritt und Tierschutz zusammenbringt. Moderne tierfreie Methoden wie menschliche Zell- und Gewebemodelle, Organoide oder computergestützte Verfahren bieten die Chance, Krankheiten genauer am Menschen zu erforschen und gleichzeitig Tierversuche zu ersetzen. Denn unser Ziel sollte nicht nur sein, weniger Tiere für die Forschung einzusetzen. Unser Ziel muss eine Forschung sein, die ohne belastende Tierversuche auskommt.

